Sonderausstellung

Future Food –
Essen für die Welt von morgen

24. April – 13. November 2022

Schon im 18. Jahrhundert schrieb der französische Gastrosoph Jean Anthelme Brillat-Savarin: „Sage mir, was du isst, und ich sage dir, wer du bist!“. Essen ist für uns alle lebensnotwendig, es ist Genuss und stiftet Gemeinschaft. Essen ist Teil unserer Kultur und Ausdruck unseres Lebensstils. Es ist eine sehr persönliche Handlung – und hat gleichzeitig unmittelbar Einfluss auf Ökologie, Ökonomie und Klima weltweit.

Mit der Ausstellung „Future Food“ greift das MIK eine der wichtigsten Fragen unserer Zeit auf: wie kann das weltweite Ernährungssystem gerechter, nachhaltiger und gesünder werden?

Wie kann die Ernährung der Zukunft durch neue Ideen und Verfahren gestaltet werden?
Welche Möglichkeiten bieten wissenschaftliche und technische Innovationen? Was kann jede und jeder Einzelne tun?

Die Ausstellung ist barrierefrei gestaltet und bietet Informationen in Englisch, Einfacher Sprache, Deutscher Gebärdensprache sowie Tastobjekte mit Audiodeskription.

Die hochaktuelle Schau wurde vom renommierten Deutschen Hygiene-Museum Dresden konzipiert.

Einblick in die Ausstellung über einen Kurztrailer vom Deutschen Hygiene-Museum Dresden.  

Produktion: artgenossen.tv.
Copyright: Deutsches Hygiene-Museum Dresden.

Kapitel der Ausstellung

Die Ausstellung stellt die komplexen Zusammenhänge hinter unseren Speisen in Geschichte, Gegenwart und Zukunft anschaulich dar. Als Besucher*innen folgen Sie in drei Kapiteln dem Weg unserer Lebensmittel vom Stall oder Feld bis auf den Tisch.

Epilog – Das MIK bittet zu Tisch

Unser partizipativer „Mitmachraum“ lädt zum gemeinsamen Tafeln ein!

Essen ist ein beliebtes Gesprächsthema, aber auch oft ein Streitpunkt. So individuell wie die Geschmacksvorlieben, so unterschiedlich sind die Meinungen dazu, wie wir uns ernähren sollten. Essen ist aber auch ein sozialer Akt, es stiftet Gemeinschaft und ermöglicht Kommunikation – am Esstisch besprechen Familien ihren Tag, lernen Paare sich kennen und handeln Politiker*innen Deals aus. In diesem partizipativen Raum haben regionale
Vereine, Schulklassen, Künstler*innen und viele mehr eine Tafel mit ihren jeweiligen Perspektiven fantasievoll eingedeckt – eine kreative „Mahlzeit“.

Auch Sie selbst sind gefragt: Bringen Sie Ihre Sichtweise in die Ausstellung ein – gestalten Sie einen eigenen Teller!

  • Die Zukunft isst fair

    Unsere zukünftige Ernährung muss eine faire sein, ist die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde St. Katharinen aus Osnabrück überzeugt. Das zeigt sie mit diesem Teller anhand einiger Produkte. Die Kirchengemeinde sagt dazu: Konsumenten und Produzenten müssten zusammenstehen, um neue Wege zu finden, und sollten immer wieder darüber sprechen, was der Auftrag, die Schöpfung zu bewahren, bedeutet. Beispielsweise gibt es eine Fülle an Lebensmitteln, die uns auch in Zukunft begleiten können, weil sie nachhaltig sind, also den Boden und Sorten erhalten, die Artenvielfalt schützen, bei der Verringerung des CO2-Ausstoßes nützlich sind und zudem leckere Speisen ergeben. Deshalb haben die kreativen Köpfe der Kirchengemeinde Nachbildungen von Lebensmitteln zu ihrer Platte beigefügt, die mit Gütesiegeln ausgezeichnet sind, etwa mit dem Bioland-Siegel, Fairtrade oder dem Blauen Engel – denn wir sollten bei unserem Einkauf auch in Zukunft stets an das Woher und Wie denken.

    Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde St. Katharinen Osnabrück
  • Planetary Health Diet – Der Speiseplan von morgen!

    Dieses Essens-Arrangement wurde vom ZEHN (Zentrum für Ernährung und Hauswirtschaft Niedersachsen, Oldenburg) gestaltet und bildet die Planetary Health Diet ab, die auf den Empfehlungen der Wissenschaftler*innen der EAT Lancet-Kommission aus dem Jahr 2019 basiert und sich mit der Frage nach einer zukunftsorientierten, gesunden und umweltbewussten Ernährung auseinandersetzt. Würden alle so essen, würde etwa die Artenvielfalt geschützt und der Boden erhalten. Der linke Teller stellt dabei das „Tagesmenü von heute“ da, der rechte das „Tagesmenü von morgen“, die diesen Empfehlungen folgen. Denn bei der Planetary Health Diet besteht die Ernährung zu einer Hälfte aus Gemüse und Obst und zur anderen aus Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten und Nüssen. Tierische Lebensmittel sowie Zucker und andere Fetter sollten nur den allerkleinsten Teil ausmachen. Um solch eine Ernährung in westeuropäischen Ländern zu realisieren, müsste sich der Anteil von Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten und Nüssen ungefähr verdoppeln, der von Fleisch und Zucker dagegen halbieren.

    ZEHN – Zentrum für Ernährung und Hauswirtschaft Niedersachsen, Oldenburg
  • Bitte nehmen Sie Platz!

    Lust auf ein Stück Kuchen oder eine andere süße Leckerei? Essbar sind diese schönen Werke leider nicht. Die Künstlerinnen der Maschen-Gilde Osnabrück haben zahlreiche gestrickte oder gehäkelte Süßwaren beigesteuert, die uns an einen schönen Kaffeeklatsch erinnern, bei dem man ins Gespräch kommen kann. Ein Augen-Schmaus, aber in diesem Fall garantiert kalorienfrei!

    Maschen-Gilde, Osnabrück
  • Riesenzikaden-Hot Dog mit Wurmsauce

    Zusammen mit Wanzen und Pflanzenläusen stehen schon heute bei 10 % der Weltbevölkerung Zikaden auf dem Speiseplan. Das hat Alexandra Elflein-Schwier von der Musik- und Kunsthochschule Osnabrück dazu inspiriert, diesen Riesenzikaden-Hot Dog mit Wurmsauce zu kreieren. Denn das Essen der Zukunft muss schnell produzierbar und nahrhaft sein, um die Weltbevölkerung ernähren zu können. Zikaden stellen dabei eine proteinreiche und fettarme Speise dar, die einfach zu züchten und klimafreundlich und gesund ist, da Zikaden ungesättigte Fettsäuren, viel Eisen, Mineralien und Vitaminen enthalten. Doch ebenso wie bei anderen tierischen Produkten stellt sich auch hier die Frage: Sollten wir ein anderes Lebewesen für unsere Ernährung züchten? Zikaden selbst sind Vegetarier, ernähren sich von Pflanzensaft und können bis zu 17 Jahre alt werden. Elflein-Schwier schreibt dazu: „Die Zikade im Objekt schaut uns Konsument*innen mit großen Augen an: ist sie ein Lebensmittel oder selbst nicht auch Lebewesen? Sollen wir weiterhin Leben züchten, damit es uns auch in Zukunft (er-)nährt?“

    Alexandra Elflein-Schwier, Musik- und Kunstschule Osnabrück
  • Ernährungsprobleme im Alter

    Der Verein HelpAge Deutschland e. V. Osnabrück möchte mit diesem Werk auf Ernährungsprobleme im Alter aufmerksam machen, ein wichtiges Thema auch für viele Rentner*innen in Deutschland. Denn über 100 Millionen ältere Menschen haben weniger als einen Euro am Tag zum Überleben und müssen davon oftmals nicht nur sich, sondern auch ihre Kinder und Enkelkinder ernähren. Gesundheit und Ernährung sind auch im Alter wichtige Bausteine für ein erfülltes, selbstbestimmtes Leben. Doch während es für Säuglinge und Kinder in internationalen Hilfsprogrammen spezielle Ernährungspakete gibt, fehlen diese bisher für ältere Menschen. Das Essensarrangement, das ihr im Foto seht, steht für eine der Großmütter, mit denen HelpAge zusammenarbeitet, die 77 Jahre alte Generoza aus Tansania. Sie hat fünf Kinder und zehn Enkel und große Schwierigkeiten bei der Versorgung mit ausreichend Essen. Geldmangel führt zu Mangel an Essen, was wiederum Mangel- oder Unterernährung zur Folge haben kann. Außerdem können ältere Menschen von Krankheiten oder Behinderungen betroffen sein, dies es verschärft erschweren, einkaufen zu gehen.

    HelpAge Deutschland e. V., Osnabrück
  • Steinspirale der Permakultur

    Dieses Steingebilde, das ihr im Foto sehen könnt, ist die Steinspirale der Permakultur. Jessica Fleming von der Musik- und Kunsthochschule Osnabrück und Osnabrücker Grundschulkinder haben sie gefertigt. Permakultur („permanent agriculture“), ein nachhaltiges Konzept für Landwirtschaft und Gartenbau, das in den 1970ern entwickelt wurde und heute in Deutschland vor allem in Hausgärten praktiziert wird, ist symbolisch im Objekt der Steinspirale ausgedrückt als zukunftsweisende Art, Lebensmittel umweltverträglich und dennoch effektiv zu produzieren, denn diese Anbaumethode steht in Kontrast zu einer auf reinen Ertrag ausgerichteten, konventionellen Landwirtschaft. Jessica Fleming hat zusammen mit Osnabrücker Grundschulkindern diese Steinspirale geschaffen, indem die Kinder Steine auf dem Schulhof und in der Umgebung sammelten und sich viel Zeit in der Natur ließen. Jessica Fleming hat die Steine zu der Spirale arrangiert und den Innenraum mit Erde aufgefüllt und die Kinder haben Schildchen gebastelt, mit denen sie sich vorstellen, welches Gemüse und Obst sie in ihrem Traumgärtchen anpflanzen würden – da finden sich beispielsweise Tomaten, Äpfel, Erdbeeren oder Mais.

    Jessica Fleming, Musik- und Kunstschule Osnabrück; Osnabrücker Grundschulkinder

    Future Food interaktiv!

    Wieviel Zucker steckt in unseren Lebensmitteln?
    Diese Waage lügt nicht!

    Neben musealen Exponaten aus Geschichte und Gegenwart präsentiert „Future Food“ interaktive Medien, Videoinstallationen, wissenschaftliche Prototypen sowie künstlerische Positionen. 

    Nützliches Faktenwissen vermittelt die Ausstellung in anschaulichen Wandgrafiken. Historische Dokumente und Objekte erzählen von Ideen, die ihrer Zeit weit voraus waren, und von solchen, die an den Gesetzen des Markts und den Gewohnheiten der Konsument*innen scheiterten.

    Eine Sensorikkabine, die von der Hochschule Osnabrück zur Bewertung von Lebensmitteln mit Hilfe der menschlichen Sinnesorgane in der Praxis genutzt wird.

    Regionalspur: Future Food im Osnabrücker Land

    Das MIK ergänzt die Dresdener Ausstellung um Bezüge zur Osnabrücker Region. Diese hat eine lange Tradition im Lebensmittelsektor – neben einer ausgeprägten Landwirtschaft haben hier bedeutende Unternehmen der Agrartechnik und Nahrungsmittelerzeugung sowie zahlreiche Forschungsinstitutionen ihren Sitz.

    In Quakenbrück ist mit dem „Deutschen Institut für Lebensmitteltechnik (DIL)“ die deutschlandweit größte außeruniversitäre Forschungseinrichtung auf diesem Gebiet verortet; die Hochschule Osnabrück weist nicht nur mehrere nahrungsmittelbezogene Studiengänge auf, sondern forscht mit dem „Food Future Lab“ praxisnah zu zukunftsfähigen Technologien, Geschäftsmodellen, Produkten und Serviceleistungen entlang der Wertschöpfungskette von Lebensmitteln.

    Mitarbeiter der Hochschule Osnabrück berät Museumsbesucher*innen bei den Aktionstagen Future Food am 14./15. Mai 2022 im MIK

    Startups verkosten bei den Aktionstagen Future Food ihre Produkte im Museum

    Darüber hinaus sind in den vergangenen Jahren viele Startups entstanden – die Region gilt als „Hot Spot“ der Gründerszene in der Agrar- und Ernährungstechnik. Initiativen wie das „Agrotech Valley Forum“ vernetzen Unternehmen, Landwirtschaft und Wissenschaft und engagieren sich für die Weiterentwicklung der Region zu einem Inkubator für nachhaltige, innovative Lebensmittelproduktion.

    Auf Pflanzenbasis produziertes Salz? Die Salifaktur entwickelte 2020 ein neuartiges Salz – SALS, das aus Salicornia gewonnen wird, einer Seepflanze, die auch als „Seespargel“ bekannt ist. Salifaktur ist heute in Magdeburg ansässig, wurde aber im Osnabrücker Seedhouse gegründet

    Entdecken Sie unser reichhaltiges Begleitprogramm zur Ausstellung!

    Dr. Eckart von Hirschhausen bei seinem Vortrag am 17. Mai 2022 im MIK

    Bei spannenden Workshops, Führungen, Vorträgen und Veranstaltungen dreht sich im MIK bis November alles ums Essen! Sie sind herzlich eingeladen, gemeinsam mit Wissenschaftler*innen sowie Unternehmer*innen über neue Ideen zu diskutieren!

    Hier finden Sie unser umfangreiches Bildungsprogramm für Kindergruppen und Schulklassen.  

    Besuchen Sie den MIK-Supermarkt!

    Impressum

    Das MIK Osnabrück präsentiert eine Ausstellung des Deutschen Hygiene-Museums Dresden.
    Die Osnabrücker Schau wird um regionale Bezüge erweitert.

    Kuratorin: Dr. Viktoria Krason, Deutsches Hygiene-Museum Dresden
    Ausstellungsgestaltung: Groenlandbasel, Basel/Schweiz

    Für großzügige Unterstützung danken wir:

    Kooperationspartnerin:

    Die Konzeption und Präsentation im Deutschen Hygiene-Museum wurde unterstützt von:

    Förderer der Vermittlungsangebote:

    Mit freundlicher Unterstützung:

    Station im MIK Osnabrück

    Projektleitung: Barbara Kahlert
    Konzept & Koordination der Regionalspur: Barbara Kahlert, Dr. Vera Hierholzer
    Ausstellungsbau: Ralf Westphal, Philipp Lautenschläger, Jürgen Weith, Julian Tischer, Jan Tönnies, Felix Weghorst
    Museumspädagogik: Jan Tönnies, Felix Weghorst
    Öffentlichkeitsarbeit & Rahmenprogramm: Birgit Scheidecker
    Leihverkehr & Verwaltung: Una-Maria Brokmann
    Ausstellungsgrafik: Catherina Müller-Scheessel

    Wir danken allen Beitragenden sehr herzlich für ihre Mitwirkung:

    Regionalspur
    Food Future Lab, Hochschule Osnabrück
    Agrotech Valley Forum e. V., Bohmte
    AMAZONEN-WERKE H.DREYER SE & Co. KG, Hasbergen
    Die Gemüsegärtner, Bramsche
    DIL Deutsches Institut für Lebensmitteltechnik e. V., Quakenbrück
    Farmerscent GmbH, Osnabrück
    Frudist, Osnabrück
    Fuchs GmbH & Co. KG, Dissen a. T. W.
    Hochschule Osnabrück – Fakultät Ingenieurwissenschaften und Informatik
    Salifaktur GbR, Magdeburg

    Gedeckter Tisch
    Grüne Schule, Botanischer Garten der Universität Osnabrück
    BUND Kreisgruppe Osnabrück
    DBU Deutsche Bundesstiftung Umwelt
    Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde St. Katharinen Osnabrück
    Foodsharing Osnabrück e. V.
    Grundschule Pye
    Hauptverband Osnabrücker Landvolk – Kreisbauernverband e. V. –
    HelpAge Deutschland e. V.
    Integrierte Gesamtschule Osnabrück
    KunstSprung, Osnabrück
    Landwirtschaftskammer, Bezirksstelle Osnabrück
    Maschen-Gilde, Osnabrück
    Montessori-Schule Osnabrück
    Musik- und Kunstschule der Stadt Osnabrück
    Osnabrücker Tafel e. V.
    Schreibwerkstatt „Hämmern, sägen und feilen am Text“ an der Volkshochschule Osnabrück
    Städtepartnerschaftsbüro der Stadt Osnabrück
    terre des hommes Deutschland e. V.
    Universität Osnabrück – Abteilung Biologiedidaktik
    Ursula Tönnies, Elsten
    ZEHN – Zentrum für Ernährung und Hauswirtschaft Niedersachsen, Oldenburg

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